Zwischen Punkten, Prozenten und Blödsinn

Viele sind ja der unumstößlichen Meinung, ein gutes Bewertungssystem für Serien gefunden und für den Eigengebrauch angepasst zu haben. Sie akzeptieren die kleinen Fehler und leben ein glückliches Leben mit ihren Punkten, Listen und Prozenten.

I call bullshit.

Ich glaube nicht an die typischen Bewertungslisten. Kein bisschen. Keines der Systeme ist ausgereift oder lässt es gar zu, dass man sich ein Urteil bilden oder Vergleiche anstellen kann. Solche Bewertungen sind sinnvoll wie Käse in Gitarrenform! Und wieso ich jeglichen Versuch einer Erklärung gern auslache, erkläre ich heute mal kurz.

Nehmen wir als erstes zum Beispiel MAL oder ähnliche Seiten, die ein Punktwertesystem verwenden.
Hinter jeder Serie steht dann eine Zahl, aus der man sich etwas nehmen soll. Wieso ein Anime jetzt eine 5 verdient und ein anderer 8, während Manga X (nicht zu verwechseln mit CLAMP’s X) 10 volle Punkte abräumt, kann jeder sich ja selbst denken. Meistens hat das dann auch noch was mit der Stimmung und persönlichen Faktoren zu tun. Selten steckt da ein System dahinter (wofür allerdings nur die Bewerter etwas können), und selbst wenn, wäre es vergebene Liebesmühe, da es nie auch nur eine andere Person erfahren würde. Muss man eben hinnehmen, dass Cowboy Bebop genauso gut wie Lucky Star ist, auch wenn die beiden so viel gemeinsam haben wie Schokolade und Saure Gurke.
Bloße Ziffern oder Prozente sehen schick aus, sagen aber wirklich GAR NICHTS aus.

Nächste Stufe: ein Review mit einer abschließenden Bewertung in Punkten/Prozenten.
Wenn man ehrlich ist, sind die Punkte doch das einzige worauf hier geachtet wird. Steht da 7, ist es eben eine 7. Die Argumente und Gedanken aus dem Artikel sind schnell vergessen. Wozu sich also die Mühe machen? Ist doch frustrierend, wenn man stundenlang an einer Kritik schreibt, und Leser nehmen am Ende hauptsächlich die Wertung wahr. Toll!

Und noch ein Level rauf – eine Auflistung der vergebenen Punkte.
Animation: 8/10
Story: 2/10
Humor: 9/10
Charaktere: 7/10
Not helping. Man sieht zwar so ein bisschen, wo die Wertung herkommt, aber das macht es bei weitem nicht besser. Dann haben die epischsten Story-Anime trotzdem die gleiche Wertung wie ne geile Comedy. Und nein, sowas geht überhaupt nicht! Wenn ich 9 Punkte oder 90% sehe, dann erwarte ich da nicht den best Harem ever. Egal wie gut der ist.( Mit der Ausnahme, dass wir uns spezifisch auf einer Plattform befinden, die sich um dieses Genre dreht natürlich.)
Man vergleicht kein Sc-Fi und Comedy. Never. Da kann es der funniest shit ever sein, es gibt einfach keine Vergleichskriterien zu Sc-Fi und eine Bewertung kann daher nicht genauso angewendet werden.

Der größte Schwachpunkt ist allerdings die unklare Abgrenzung und Schwammigkeit des ganzen. Und bevor einer fragt, 0.5 oder 75% helfen da auch nicht mehr. JEDER hat eine eigene Auffassung von seiner Bewertung!
50% sind gut. Die Mitte. Durchschnitt. Für mich, für andere und für die Logik. Für viele ist allerdings neuerdings 70% die durchschnittliche Mode und 50% schon schlecht. Zwischen 70% und 80% gibt es schon gar keinen Unterschied mehr, vielleicht hat der Zeichenstil bei letzterem nur einen Tick moderner gewirkt. No sir, absolutely not. 70% ist gut, 80% ist besser und das sollte man auch deutlich sehen können. 80% ist sogar schon verdammt gut, 90% epic und 100% sollte dann sowas wie die 3-Faltigkeit von geiler Story, tiefen Charas und flüssiger Animation sein.
Und schon hier wird klar, dass es genauso viele unterschiedliche Ansichten zu Punkten und Prozenten gibt, wie es Leute gibt, die bewerten.

Und eben weil das alles so ist, kann man sich aus Punkten und Prozenten und dem ganzen Quatsch auch rein gar nix nehmen. Ist der Anime jetzt gut? Der Manga lesenswert? Nein, ja, vielleicht, Tango? Kann ich alle 8-Punkte Serien miteinander vergleichen, auch wenn das eine ein Fantasy-Epos und das andere ’ne Highschool Romanze ist? Neeeeiiiin.

Da es aber trotz allem durchaus sinnvoll ist, Serien einordnen zu können, muss man irgendwo in den sauren Apfel beißen. Oder man lässt das ganze weg, so wie ich, und beschränkt sich auf ein Review.  Es sollte herauskommen, was man gut und schlecht findet, und am besten noch welche vergleichbaren Serien es gibt (was sowohl positiv als auch negativ funktioniert). Und zum abrunden eventuell noch gleiche Serien empfehlen, unter denen jeder sich etwas vorstellen kann. Das hilft auch zur Meinungsbildung und ist ein guter persönlicher Vergleich.
Das ganz große Problem daran ist nur, dass ellenlange Reviews nicht gern vollständig gelesen werden, wenn überhaupt. Dabei sind sie so wahnsinnig praktisch und vielsagend.

Fazit: Jeder kann gern immer und überall mit seinen Pünktchen herum machen und probieren was er will. Am Ende finde ich es aber sinnlos, sich darauf zu verlassen und eine aussagekräftige Wertung dabei zu erhalten. Vielleicht kann mich ja eines Tage jemand bekehren, aber momentan schüttel ich darüber den Kopf.

Fazit2: Ja, ich bin butthurt. Aber wie soll man denn auch reagieren, wenn echte epische Fantasy mit Comedy gleichgestellt wird? Da springt mir der kleine Teil meines Herzens, der sich noch um Literaturwissenschaft kümmert…

Veröffentlicht am 24/07/2011 in Allgemein, Rant und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Abgesehen von Leuten, die die Bewertungskala falsch interpretieren ergibt das durchaus einen Sinn. Es hat nun aber niemand behauptet, dass man alle Serien, die sich eine Wertung teilen vergleichen soll. Eine Mystery Serie und eine Comedy je 7 Punkten kann, und soll man auch gar nicht vergleichen. Nehmen wir mal eine Animeliste her. Durch schnelles Überfliegen sieht man die gut bewerteten Serien. Diese sind dann (hoffentlich) im jeweiligen Genre wert zu schauen. Und was genau es ist erfährt man ja spätestens bei der Inhaltsbeschreibung. Natürlich ersetzt das keine Reviews, aber es fasst das ganze noch einmal zusammen. Auch wenn man keine grundverschiedenen Serien vergleicht gibt es doch genug Möglichkeiten einen sinnvollen Vergleich zu ziehen. Jedoch kann ich alle meine mit 8 Punkten bewerteten Serien empfehlen. Ungeachtet des Genres. Einfach weil sie gut sind. Woran es letztendlich oft scheitert, dass sind die Benutzer. Was eine Liste mit fast ausschließlich 10er Bewertungen einem dann sagen soll ist wohl ein Rätsel.

  2. Ich gieße mal Öl ins Feuer:

    Trollolol

    Ähem.
    Der Sinn hinter solchen Datenbanken wie MAL, Animeplanet & Co. ist neben dem Angeben mit dem e-Penis bzw. den e-Brüsten auch die Aussage, wie die Anime darauf einem gefallen haben. (Denn niemand ist ein Roboter und wendet überall gleiche Kriterien an, bla, blubb…) Und hier kommt ein Vorteil von MAL gegenüber Animeplanet, anisearch und anidb ins Spiel: Dort steht hinter den Zahlen auch ein Wort, das diese Zahlenbewertung ziemlich treffend beschreibt, wie ich finde. Und auf einmal ergibt eine Wertungsskala auch wieder Sinn, denn „grottig“, „schlecht“, „durchschnittlich“, „OK“ und „sehr gut“ sagen einem dann doch mehr als 2, 4, 5, 6 oder 8 Punkte.
    Nun muss man nur noch zwei Dinge im Hinterkopf behalten, wenn man sich auf MAL & Co. bewegt: das Wort zu jeder Ziffer und die Tatsache, dass in den Bewertungen sehr stark persönliche Vorlieben, der Gemütszustand beim Angucken (man schaut sich einfach keine Blödelcomedy an, wenn man deprimiert ist) und Gruppenzwang einfließen.

    Auch ganz nett ist der Farbcode auf anisearch— oh, ich sehe gerade, auch sie haben neben der Punktzahl auch das Wortsystem. Ähem. Prozentzahlen sind, wenn sie mit einer entsprechenden Legende ausgestattet sind, auch in Ordnung, die „Feinabstufungen“ aka. 62% sind allerdings Schwachfug, denn dafür muss man entweder über 9000 (buchstäblich!) Titel gesehen haben oder tatsächlich ein Roboter sein, der feine Unterschiede zwischen 61% und 62% erkennt.

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